TelefonSeelsorge setzt auf Open Source statt auf einen US-Cloud-Anbieter

6 Juli 2026

Die TelefonSeelsorge Deutschland hat ihr digitales System 2025 komplett neu aufgebaut – auf Basis von Drupal 10 und mit eigener Infrastruktur, statt mit einem proprietären Cloud-Anbieter. Im aktuellen Heise-Interview erklärt Geschäftsführerin Lydia Seifert, warum diese Entscheidung nichts mit kurzfristigen Lizenzänderungen einzelner Anbieter zu tun hatte.

Person sitzt vor Laptop und tippt auf der Tastatur.

Datenschutz als Ausgangspunkt

Die TelefonSeelsorge Deutschland verspricht jeder Person, die anruft, größtmögliche Anonymität. Für eine Organisation mit diesem Anspruch ist die Frage, wer die eigene Infrastruktur kontrolliert, keine Nebensache. Kontrolle über die eigenen Daten, eine saubere Trennung zwischen Organisations- und Beratungsdaten, möglichst wenige gespeicherte personenbezogene Informationen: All das lässt sich mit einer Abhängigkeit von einem einzelnen ausländischen Cloud-Anbieter nur schwer vereinbaren.

Auslöser für die Neuentwicklung war zwar, dass das bisherige System auf Drupal 7 an sein Lebensende gekommen war. Die Entscheidung für Open Source stand für die TelefonSeelsorge aber unabhängig davon fest.

Eine Struktur mit 104 eigenständigen Dienststellen

Das neue System muss eine dezentrale Organisation abbilden: 104 eigenständige Dienststellen, 8.000 Ehrenamtliche, Betrieb rund um die Uhr. Lokale Autonomie und zentrale Steuerung gleichzeitig, dazu eigene Infrastruktur statt gemietete Cloud-Dienste. Barrierefreiheit war von Anfang an Teil der Architektur – nicht nachträgliche Optimierung.

Im Interview kommt auch der verbreitete Vorbehalt zur Sprache, Open-Source-Software sei per se weniger sicher als proprietäre Angebote. Volkan Jacobsen, Managing Partner des Drupal e.V. Mitgliedsunternehmens Factorial.io, widerspricht dem – und bestätigt damit, was in der Community ohnehin Konsens ist: Nachvollziehbarer Code schafft mehr Sicherheit als der Glaube an Herstellerversprechen.

Das Projekt wurde von Factorial.io, einem Mitgliedsunternehmen des Drupal e.V., umgesetzt. Weitere Informationen zum Projekt gibt es in der vollständigen Case Study.

Das vollständige Interview mit Lydia Seifert und Volkan Jacobsen lest ihr bei Heise: „Wir wollten nicht einfach Microsoft ersetzen"